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Interview:
Das Wetter ist schön,
das Hinterhofcafé lauschig und der Gesprächspartner angenehm.
Ich treffe Andreas Kurz, um ‹kurz› über sein neustes
Werk
zu sprechen. Er erscheint auf die Sekunde genau zum Interviewtermin und
wir legen los. Sein neues Buch «Bis gestern war ich harmlos»
bildet
den Auftakt zur neuen Sparte I-Pop bei Ubooks. I-Pop steht für ‹Irgendwie
anders›, für ‹Interessant›, im besten Fall für
‹Ideal›.
Hallo Andreas, schön, dass du Zeit für ein kleines Interview
hast.
Immer gerne. Wann wird man schließlich schon mal was gefragt, außer
am Telefon, ob man nicht einen neuen DSL-Anschluss bräuchte oder
so.
Nun gleich die schwierigste Frage zuerst: Um was geht es in diesem
Buch?
Zuerst mal um Freundschaft und Erwachsenwerden, aber auch um Liebe, Träume,
Hoffnungen und die Brutalität, mitunter auch die Absurdität
der Wirklichkeit. Die Hauptfigur Bobo ist siebzehn, hatte noch nie eine
Freundin, soll aber ausgerechnet einen Porno drehen. Und dann auch noch
mit jenem Mädchen in der Hauptrolle, in das er chancenlos verliebt
ist. Er spürt natürlich, dass er für die anderen Mittel
zum Zweck ist, sie benutzen ihn, weil er ihnen nützlich erscheint.
Als dann alles aus den Fugen gerät, kann auch Bobo nicht mehr zurück,
alle werden zu Getriebenen der Umstände. Ich glaube, das zeichnet
dieses Alter vor allem aus. Man ist klug, ohne dieses Wissen wirklich
benutzen zu können, weil einem jede Erfahrung fehlt. Man durchschaut
etwas, weil man noch nicht selbst darin verwickelt ist.
Das klingt etwas fatalistisch. Trotzdem ist es keine traurige
Geschichte, eher im Gegenteil.
Absolut. Doch eine gute Komödie hat immer auch einen tragischen Hintergrund.
Für die Figuren muss es bitterer Ernst sein, der Leser darf darüber
lachen. Sonst ist es nur Blödelei.
Woher kam die Idee zu dem Buch oder ist es autobiografisch?
Nein, autobiografisch ist es gar nicht, jedenfalls was die Handlung oder
die Personen betrifft, mein Leben war ganz anders, vor allem mit siebzehn.
Die Grundstimmung aber, diese Mischung aus tiefer Melancholie und brennender
Neugierde, ist sicher etwas, was ich auch selbst sehr stark erlebt habe.
Die Geschichte hat sich eher zufällig aus einer Kurzgeschichte entwickelt,
ich wollte zuerst gar keinen Roman schreiben. Doch die Handlung verselbstständigte
sich schnell. Für mich immer noch die schönste Art des Schreibens.
Leider auch sehr schwierig, da man leicht den roten Faden verlieren kann.
Ach ja, eines ist doch autobiografisch, im doppelten Wortsinn …
Und was?
Das Auto aus dieser Geschichte, ein silbernes Opel Rekord Coupé
Baujahr 71, mit dieser wunderschönen Fastback-Linie, sehr amerikanisch
angehaucht, das hatte ich selbst mal. Ich musste also nicht hinten sitzen
(lacht) …
Wie schreibst Du? Welche Themen reizen dich?
Ich setze mir eigentlich nie ein Thema. Es ist eher ein Gefühl, eine
Stimmung, aus der sich eine Geschichte entwickelt, egal wie lange sie
dann wird. Grundsätzlich gefallen mir immer Geschichten, die sich
sehr eng an eine oder nur wenige Personen heften und diese dann aus einer
engen Perspektive begleiten. Unser Handeln wird ja stark von unseren Gefühlen
gelenkt, der Kopf biegt es sich erst später als logische und rationale
Entscheidung hin. Ich mag es, mit meinen Figuren durch etwas hindurchzugehen,
was ihr Leben auf den Kopf stellt. Ich finde allwissende Erzähler,
die gottgleich über allem schweben und mal den Psychiater und mal
den Wissenschaftler geben, blöde und sehr, sehr langweilig.
Andreas, ich danke Dir für das Gespräch.
Ich danke für Kaffee und Kuchen … Kann ich noch Grüße
bestellen? An meine Eltern und alle, die mich kennen? [Der Interviewer
verlässt den Tisch.] War nur ’ne Frage … Muss ja nicht
sein. [Die Kellnerin wischt den Tisch ab.]
Weiterer Titel beim
UBooks Verlag:

"Bis
gestern war ich harmlos" - Infotext:
"Ein Schrebergarten
ist ein Hobby, Seidenmalerei und Bergsteigen sind Hobbys, meine Filmerei
aber war viel mehr. Es war meine Art, mich der Welt zu stellen. Nämlich
mit einer Kamera dazwischen."
Bobo ist noch jung und naiv, als er von seinen Freunden überredet
wird, für deren Pornodreh als Kameramann zu fungieren. Doch von dem
alten Haus mit
den Wertsachen hätte er ihnen mal besser nichts erzählt, denn
jetzt wittern die das schnelle Geld. Bobos Leben gerät aus den Fugen
und die Katastrophe scheint unausweichlich…
Ich war harmlos. Ich dachte zwar manchmal, gleich verlöre ich die
Kontrolle, aber ich wusste, auch danach wäre ich harmlos. Ganz leicht
zu bremsen. Ich hätte alles für sie getan …
Andreas Kurz
Bis gestern war ich harmlos
Manchmal muss man warten ... ein Leben lang
––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Taschenbuch, 12 x 18 cm, 226 Seiten
1. Auflage ab Mai 2009
ISBN-13: 978-3-86608-105-5
VK: 9,95 Euro
Das
verdammte Glück
Wenn das Glück
auf der Flucht ist, beginnt für uns die Jagdsaison. Jeder will schließlich
etwas abhaben. Doch was ist schon Glück? Sicher ist es nicht der
romantische Abend mit der Traumfrau, die nur in den Werbepausen eines
uralten Spielfilms geküsst werden will. Oder die zweifelhafte Möglichkeit,
ausgerechnet von einer Behörde ein besseres Leben geschenkt zu bekommen
...
Andreas Kurz
Das verdammte Glück
Pointiert bissige Storys
––––––––––––––––
Taschenbuch, 12 x 18 cm, 128 Seiten
2. Auflage verfügbar
––––––––––––––––
ISBN-13: 978-3-86608-039-3
––––––––––––––––
VK: 9,95 Euro
Mehr
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