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Interview:
Hallo Matthias,
leider können wir uns nicht persönlich zum Interview treffen,
da du sehr weit weg bist. Wo bist du und warum?
Ich residiere in Sumy in der Ostukraine. Da bin ich Lektor der
Robert-Bosch-Stiftung, unterrichte ganz prosaisch Deutsch, mache kleinere
Projekte mit meinen Studenten und sehe zu, dass ich mich im Osten verliere.
Guter Job.
Wie hat es
dich dorthin verschlagen?
Interessante Frage. Denn obwohl es mich eigentlich immer Richtung
Sonnenuntergang zieht, reise ich doch faktisch dem Sonnenaufgang entgegen.
Da müsste ich mal drüber nachdenken … Vielleicht gehe
ich ja auch unbewusst zurück nach Kasachstan, dann wäre ich
jetzt auf halber Strecke. Und einen schöneren Streckenposten auf
dem Weg ins Nichts als Sumy kann ich mir wirklich nicht vorstellen.
Dein Erstlingsroman
beim Ubooks-Verlag heißt «Sonne wie Winter». Um was
geht es dabei?
Vielleicht um Würde? Vielleicht um ein Lachen im Wind? Auf jeden
Fall um Straßenstaub, der am Fenster vorbeizieht. Und um den, der
hinter diesem Fenster liegt und mit seiner Flasche Wodka dem Staub hinterherschaut.
Um einen Kommissar, schwarzer Schnurrbart, schwarzes Lachen. Um die Steppe.
Um China im Rücken und Gras in den Lungen. Um einen roten Lada. Um
das madagassische Bruttosozialprodukt.
Okay. Anders
gefragt: Was ist die Kernaussage?
Ich habe schon seit meiner Kindheit eine ausgeprägte Abneigung gegen
Fabeln. Deshalb habe ich versucht, mir jede Kernaussage zu verkneifen
– auch wenn‘s manchmal schwer war. Es liegt an euch zu bewerten,
ob es mir gelungen ist. Wenn ihr aber unbedingt eine Aussage wollt: Ein
Leben in Würde existiert – man muss es nur suchen. Vielleicht.
Hast du Teile
deines Romans selbst erlebt? Er klingt stellenweise etwas autobiografisch.
Ha! Meine Lieblingsfrage! Darauf würde ich wahrscheinlich gerne «ja»
antworten. Ist aber zum Großteil nicht so. Wenn ich es selbst erlebt
hätte, hätte ich es ja nicht schreiben müssen, oder? Was
ich aber auf jeden Fall selbst erlebt habe, sind die Sonne und der Wind.
Was ja auch schon mal nicht wenig ist.
Was reizt
Dich, dort zu leben, wo du gerade bist?
Reizen? Das ist vielleicht das falsche Wort. Vielleicht faszinieren. Und
auch die Faszination ist nur sehr schwer zu greifen. Das ist, als ob man
mit einem Radio ein äußerst schwaches Signal auffangen will.
Dazu braucht es ein feines Händchen – und verdammt viel Übung.
Und trotzdem verliere ich manchmal das Signal. Um es dann wiederzufinden.
Wenn Länder
eine Farbe hätten, welche Farbe hätte für dich Deutschland
und welche Kasachstan?
Kasachstan – stahlblau. Deutschland – grau-rosa: Telekomfarben.
Die Sonne
spielt eine zentrale Rolle in deinem Buch, warum?
Das ist der einzige Teil des Buches, der zu Hundert Prozent autobiografisch
ist. Wenn ihr mal in einem beliebigen Regionalzug einen Typen am versifften
Fenster klebend den Sonnenuntergang über dem Gewerbegebiet verfolgen
seht – das bin wahrscheinlich ich.
Wer ist der
beliebteste Musiker zur Zeit in der Ukraine?
Ich bin‘s nicht. Was ja irgendwie für die Ukrainer spricht.
Aber ihr könnt ja mal bei YouTube «Okean Elzy bez boyu»
oder «Skay te sho treba» eingeben. Gute
Sachen.
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Infos direkt beim Verlag:
UBooks Verlag
Wellenburger Str. 1
86420 Diedorf
Telefon: +49 / (0) 8238 / 508 977 - 0
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