Interview
(November 2007)
Der
Herr Bernemann und ich saßen in diesem neuen Café in seiner
Heimatstadt.Die Atmosphäre war gelassen, der Herr Bernemann bestellte
Kaffee, ich mir grünen Tee und mein Gegenüber wirkte entspannt
und eigentlich guter Laune. Strahlende blaue Augen und ein jungenhafter
Charme begleiteten fast jeden Satz. Der Herr Bernemann ist wirklich
freundlicher als sein Ruf und vor allem: heiterer als seine Bücher.
Herr Bernemann, bitte eine spontane Antwort: Drei Adjektive
für das neue
Buch!
Falsch. Richtig. Literaturnobelpreisverdächtig.
Interessant wie überzeugend Du dabei klingst. Hast Du schon
Preise mit der Kunst gewonnen?
Nichts Großes, aber ich habe einige Herzen gewonnen, das ist viel
mehr wert.
Am 14.02. kommt also Dein neues Buch auf den Markt der Kaufwilligen,
«Satt Sauber Sicher» heißt es, kannst Du kurz schildern,
worum es geht?
Nein, kurz bestimmt nicht, warte, ich versuche es: Es ist ein Gewebe
aus Familientragödie, Liebe, Schicksal, Tod und Krankheit ... und
mein Name ist Rosamunde Pilcher. Nein, es klappt nicht. Es ist mein
neues Buch, reicht das nicht?
Für die Fans vielleicht ...
Na gut, also es geht wieder um einen bunt gemischten Haufen Menschen,
die alle wieder sehnsuchtsvoll nach ihrem Egoglück streben und
einige sterben daran, andere schaffen es über die Ziellinie ins
Glück und stranden dort in Liebe. Es geht um die Zerrüttungen
von Familien und Individuen voller Sehnsucht nach Unerfüllbarkeit.
Mein erster richtiger Roman.
Verfolgst Du weiterhin das Konzept der ersten beiden Bücher,
also dass die Geschichten, die Einzelschicksale der Protagonisten untereinander
verlinkt sind?
Jetzt sogar noch intensiver. Alles ist eins, grinst der Buddhist in
mir. Die Menschen kommen alle mehrfach vor, werden genauer durchleutet,
werden analysiert. Ich habe echte Menschen mit Worten gemalt, mit echten
Geschichten.
Wo liegen denn die Unterschiede zwischen den ersten beiden Büchern
und «Satt Sauber Sicher»?
Die beschriebenen Charaktere wirken manchmal komplett nackt, weil ich
ihre Emotionsstrukturen dem Leser komplett offen lege. Also warum die
Personen auf ihre Weise handeln, wird maximal deutlich und das macht
die Tiefe dieses neuen Buches aus, während in den ersten beiden
Büchern der Thrill eher durch das Weglassen essentieller Informationen
entstand. Außerdem sind die Protagonisten keine überzeichneten
Freaks, wie es teilweise in den ersten beiden Büchern der Fall
war, sondern Menschen, denen man an der Oberfläche des Lebens begegnet
und die erst mal unscheinbar wirken. Aber in der Tiefe dieser Leute
tragen sich Dinge zu, die beschrieben werden mussten.
Du hast mittlerweile auch eine Reihe Nachahmer. Worte zur Konkurrenz?
Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich find es gut, wenn Menschen
sich mit meinen Inhalten beschäftigen und sich davon zu eigener
Kunst inspirieren lassen. Aber es gibt leider auch viele, die einfach
nur meinen, ein paar böse Wörter und verstörte Geschichten
erzählen, mache aus ihnen einen begnadeten Autor. Ich sehe mich
ohnehin als nicht schubladisierbar, nicht als Künstler noch als
Mensch.
Und welche konkreten Pläne hast Du für die Zukunft?
Kaffee trinken, abhängen, den Tag genießen. Außerdem
werde ich weiter Bücher schreiben, Platten machen und einfach nicht
aufhören, glücklich sein zu wollen.
Herr Bernemann, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Letzte Worte?
... werden überbewertet, denn schon mit dem nächsten Wort
ist das letzte Wort das vorletzte. Vielleicht noch dies: Lest meine
Bücher, liebe Menschen, und achtet auf Euch und auf die Liebe.
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