Interview
(Mai 2008)
Stefan,
Dein Debüt heißt «Atmen». Worum geht‘s?
Ein Mann findet sich in einer ziemlich desolaten Verfassung in seiner
eigenen Wohnung liegend vor. Was die letzten Tage passiert ist, daran
kann er sich nur bruchstückhaft erinnern. Im Laufe der Erzählung
wird dann klar, dass er in illegale Geschäfte verwickelt war. Unvermutet
taucht eine Leiche auf, die irgendwie entsorgt werden muss. Da die Hauptfigur
selbst ein Drogenproblem am Hals hat, löst sich nur langsam auf,
wo die Grenze zwischen Realität und Halluzination verläuft
... möglicherweise kann ihm die Striptänzerin helfen, die
in sein Leben stolpert.
Die Geschichte wird formal sehr gebrochen erzählt, bleibt daher
hoffentlich spannend. Es gibt auch ein Verbrechen. Trotzdem käme
niemand auf die Idee, darin einen Krimi zu sehen.
Wo wird bei all dem jetzt geatmet?
Na ja, wenn Du versuchst mit Deinem Alltag klar zu kommen, dann empfiehlt
sich für den Anfang, dass man gleichmäßig atmet, oder?
Ich mag das existenzielle an diesem Titel. Er gibt einen gewissen Rhythmus
vor oder eine Art Grundrauschen, über das sich der Lärm der
Geschehnisse legt.
Die Fliege auf dem Buchumschlag hingegen scheint nicht mehr
zu atmen. Wurde sie extra für das Foto getötet?
Äh, das entzieht sich meiner Kenntnis. Aber: Ja, ich esse Fleisch.
Aus welcher literarischen Ecke stammst Du?
Als Kind haben mich sicherlich Märchen geprägt, in der Jugend
dann Samuel Beckett und Hermann Hesse. Das lässt aber keine Rückschlüsse
auf meine momentane Schreibe zu. Ich lese, schaue und höre quer
Beet ohne Schubladendenken und hoffe, mir über die Jahre einen
ganz eigenen Stil erschreiben zu können.
Seit ich bei Ubooks bin, ist diese Hoffnung noch gewachsen. Die arbeiten
nämlich gut organisiert und zuverlässig.
Zuletzt begeistert haben mich die Erzählungen von Oskar A.H. Schmitz
«Haschisch ». Wobei ich mich gefragt habe, ob die Welt vor
gut hundert Jahren noch so unschuldig war. Wenn ja, welch ein Vergnügen
muss es gewesen sein, diese Geschichten einem Leser anzubieten.
Schon wieder Drogen. Man könnte glauben, Du weist eine
gewisse Affintät auf…
Erzählerisch liegt der Reiz ganz einfach darin, dass man die Grenzen
der Alltagsrealität mit einer guten Begründung hinter sich
lassen kann. Es verschafft einem Freiheiten. Das ist technisch nun wirklich
keine Neuheit mehr. Abgesehen davon liegt es mir fern, Werbung für
irgendwas machen zu wollen.
Warum sollte ein Leser ausgerechnet zu «Atmen» greifen
und nicht zu einer der anderen hunderttausend Neuerscheinungen?
Weil Ihr sonst nicht in den Himmel kommt. Aber Ernsthaft: Der Text geht
kurz und knackig runter und will Dein Freund sein. Er ist ehrlich, direkt
und schmutzig. Er vermittelt Dir hoffentlich eine gewisse Intensität.
Und er ist nicht so glattgebügelt wie vieles andere … Ich
glaube an die Vielfalt als Vorteil für alle.
Wer will schon immer das Gleiche essen oder ausschließlich und
einzig Herbert Gröhlemeyer hören? Wer mal was anderes will,
liest «Atmen.»
Stimmt es eigentlich, dass Du bei Lesungen ein blau gefärbtes
Kapuzineräffchen dabei hast, dass Dir die Seiten umblättert
und Deine Bierflaschen öffnet?
Wer behauptet so was? Ich würde sagen, kommt selbst und lasst euch
überraschen.
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